War die schon immer da? Geschichte der Girya aka Kettlebell aka Kugelhantel

War die schon immer da? Geschichte der Girya aka Kettlebell aka Kugelhantel



Ich weiß noch genau, wie sehr ich mich über meine allererste Kettlebell gefreut habe. Es dürfte ungefähr eine Woche gewesen sein, wie ich sie im Kofferraum mit mir herum gefahren habe.

Bei jeder Gelegenheit die sich mir bot, habe ich sie heraus geholt, um ein paar Swings damit zu machen (das war vor meinem Einsteigerseminar und ich dachte zumindest, dass es Swings waren).

Es war eine 24kg Kettlebell. :) Ja, auch meine erste Kettlebell war mir zu schwer.


Zu der Zeit, habe ich meine Brötchen noch in einem Angestelltenverhältnis verdient. Ein Kollege von mir, ein ehemaliger Sportlehrer aus Russland und einer der fittesten Typen, die in Weimar herum laufen, hatte mitbekommen, dass ich eine Kettlebell mit mir herum fahre.

Eines Tages, wir standen zusammen auf dem Parkplatz vor der Firma, habe ich ihm mein neues Spielzeug gezeigt. Das Nächste was passierte und ich checke heute erst was da ab ging, war eine kleine Vorführung im Kettlebell Juggling.

Ich dachte die ganze Zeit nur, „Scheiße, der Lack ist hin“. Die Kugel sah danach echt schlimm aus. Es war ein No-Name Produkt, also nicht schlimm. ;)


Es sah etwas weniger geschmeidig aus als im Video und die Kugel lag wesentlich öfter auf dem Boden. :)


Wie eben schon gesagt, hätte ich die Nummer heute wahrscheinlich genossen und mir etliche Tipps abgeholt. Beeindruckt hatte mich das allerdings schon und ich hab danach erst einmal genau geschaut, wo die Kugel denn ihren Ursprung hat.Das die Russen ihre Hand im Spiel hatten, wusste ich ja schon aus dem Internet, weil dieser Pavel Tsatsouline immer wieder genannt wurde.

Hier ist einmal ein kleiner Überblick, wo die Kugeln ihren Ursprung haben und wozu sie eigentlich benutzt wurden.


Generell gibt es viele Spekulationen, wo die Kettlebell das erste mal aufgetaucht ist. Archäologische Aufzeichnungen zeigen anscheinend, Beweise für ihre Verwendung im antiken Griechenland. Ziemlich sicher ist allerdings, dass die Kettlebell um 1700 nach Russland gekommen ist.1704 erschien die Girya (russisch für Kugelhantel), das erste mal in einem russischen Wörterbuch.

Nachdem die Kugelhanteln heute primär für Wettkämpfe (Kettlebell Sport) und als Trainingsgerät, für die Verbesserung der allgemeinen körperlichen Fitness, eingesetzt werden, hatten sie damals noch ganz andere Aufgaben.


Zu der Zeit wurden sie als Gewichte zum Abwiegen von Getreidesäcken verwendet. Anscheinend hatten die Typen, die auf den Märkten die Säcke und Waren damit abgewogen haben, Langeweile oder ein sehr großes Ego. :) Sie haben angefangen die Gewichte zu heben und zu jonglieren.

Kettlebells zum Abwiegen von Waren.
Quelle: http://kgbclub.nl/index.html

Quelle: http://www.oldtimestrongman.com
Die Nebeneffekte, wie die Verbesserung der Kraft und allgemeinen körperlichen Fitness und der hohe Unterhaltungswert beim Zuschauen, haben dann sehr wahrscheinlich dafür gesorgt, dass die ersten Wettkämpfe, wer denn mehr Heben, Tragen und Jonglieren kann, ausgetragen wurden.

1870 – 1880 reiste der „Begründer der Schwerathletik“, Dr. Vladislav Kraevsky durch Europa und sammelte Informationen über Körperkultur und Sport mit der Absicht, neue Wege zur Verbesserung der Gesundheit, des Wohlbefindens und der Leibeserziehung zu erfahren.

Bei seiner Rückkehr nach Russland öffnete er die erste Gewichtheberhalle, mit dem Ziel die Athleten durch Ausbildung von speziellen Fähigkeiten, Atemtechniken und Methoden, kräftiger und ausdauernder gegen körperlicher Erschöpfung zu machen.

Anfang des 20. Jahrhunderts nutzen Strongmen und Athleten aus dem Zirkus, Kettlebells um ihre Kraft zu demonstrieren. Es gibt zahlreiche Bilder von legendären Kraftsportlern wie Eugene Sandow, Arthur Saxon, Edgar Müller etc. abgebildet mit Kettlebells.

Zur gleichen Zeit etwa gründeten sich i
n einigen deutschen Turnverbänden so genannte „Rundgewichtsriegen“, in denen überwiegend mit Kettlebells jongliert wurde.

Quelle: http://www.oldtimestrongman.com
Mit Pavel Tsatsouline bei der RKC Ausbildung,
2012 in Ungarn
In der russischen Armee, ist die Kettlebell fester Bestandteil. Hier wird die Fitness der Soldaten statt mit Liegestützen oder anderen Krafttest's damit getestet, wie oft sie eine 24kg Kugelhantel über Kopf reißen können.

Ende des 20. Jahrhunderts war es dann auch in Amerika soweit. 1998 schrieb Pavel Tsatsouline, ehemaliger Ausbilder der Speznas in Russland, nachdem er nach Amerika ausgewandert war, einen Artikel für das Kraftsportmagazin MILO über Kettlebells. Der Artikel wurde super aufgenommen.


Zusammen mit John Du Cane (Besitzer von Dragon Door), der das Marketing und die Herstellung der Kettlebells für Amerika übernahm, gründete Pavel 2001 die Russian Kettlebell Challenge. Bereits 2002 schaffte die Kettlebell es auf die Hitliste der Fitnessentdeckungen des Jahres im Rolling Stone Magazin. Das löste einen regelrechten Kettlebellboom in Amerika aus und brachte Pavel den Titel des modernen König der Kettlebell ein.

Die Popularität der Kettlebell in Amerika, bringt die sie nun auch wieder zurück nach Europa.

Du siehst also, die längste Tradition hat die Kugelhantel im Kettlebellsport und im russischen Militär und sie ist schon eine ganze Weile am Start. Ich bin sehr gespannt, wo die Reise der Wunderkugel hier in Deutschland noch hingeht. Wir stehen gerade erst (oder wieder) am Anfang.


Es sieht gut aus! Die Resultate beim Training mit ihr sprechen sich langsam aber sicher herum. Wir haben die erste RKC Ausbildung in Deutschland dieses Jahr und auch die Kettlebellsportgemeinde wächst und wächst.

Mir gefällt das. Ein Trainingsgerät - viele Einsatzmöglichkeiten – Spaß beim Training – Spaß beim Wettkampf – Überragende Resultate!

Mehr Infos und Details zur Geschichte der Girya, findest Du in THE RUSSIAN KETTLEBELL CHALLENGE und KETTLEBELL TRAINING von Pavel Tsatsouline.

Was meinst Du? Wo steht die Kugelhantel in 50 Jahren?

Kommentare:

  1. Einfach nur Mike12. Juni 2013 um 22:00

    In 50 Jahren wird sie wieder allgemein in Vergessenheit geraten sein, falls sie je einen echten Durchbruch schafft. Denn die Menschen wollen eher unterhalten werden als sich ernsthaft anstrengen.

    Es ist so wie mit MovNat, Olympischem Gewichtheben und ähnlichen Trainingsformen. Kaum einer geht den schweren, effektiven, guten Weg.

    Die meisten Leute sind eher gepflegt gechillt post Workout, als im Arsch nach einem guten Training.

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    1. Hi Mike,

      stimmt schon. Für das Training welches wir anbieten, darfst Du Dich schon ein bissl aus der Komfortzone heraus bewegen. Frei nach dem Motto von Nichts kommt Nichts.

      Im Moment sieht es gut aus. Ob es natürlich so die nächsten 50 Jahre weiter geht, ist eine andere Sache. Mal schauen. :)

      Beste Grüße,
      Sebastian

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